Das nächste Mal, wenn Sie sich nachts im Freihausviertel befinden, halten Sie einen kurzen Moment inne. Es kann gut möglich sein – wenn Sie die Geräusche des 4. Bezirks ausblenden – dass Sie eine leise, jedoch allzu bekannte Melodie im Wind hören werden.
Es war das Jahr 1643 als Konrad Balthasar Starhemberg ein Stück Land zwischen der heutigen Operngasse und der Wiedner Hauptstraße erwarb. Eine Gegend, die später zu einem Wohnkomplex umfunktioniert wurde, der um 1857 mehr als 1000 Leute, Geschäfte, Restaurants, eine Bücherei und ein Theater beherbergte.
Das Freihaustheater wurde 1785 eröffnet und wäre wohl lange in Vergessenheit geraten, wäre nicht hier im September 1791 Mozarts Zauberflöte uraufgeführt worden. Emmanuel Schikaneder, der Besitzer des Freihaustheaters, hatte Mozart beauftragt eine Oper zu komponieren, die auf einem von Schikaneder selbst verfassten Libretto basieren sollte. Mozart willigte ein und hat dafür angeblich nichts verlangt, außer Schikaneders Wort, dass Mozart das Urheberrecht für das Stück bekam – er wollte es verkaufen, sollte die Oper erfolgreich sein.
Schikaneder verkörperte in der Oper den Papageno, ein Vogelfänger, der auch heute als bekannteste Rolle des Stücks aufscheint. Jedoch – so es die Geschichte will – hielt Schikaneder sich nicht an sein Wort, er verkaufte die Zauberflöte an andere Theater und profitierte en masse. Mozart starb zwei Monate nach der Premiere der Zauberflöte und hatte somit auch kein Mitspracherecht mehr.
Der Wohnkomplex blieb in Besitz der Familie Starhemberg bis 1872. 1913 wurde der Komplex durch neue Besitzer abgerissen, der letzte Teil des Komplexes wurde 1970 endgültig entfernt. Heute ist die Gegend, in der sich das Freihaus befand, eine der buntesten Flecke Wiens, mit Kaffeehäusern, Friseur*innen, Bars und Restaurants.
Es scheint als hätte sich bis auf das Theater und die Steuerbefreiung nichts geändert.